ADOLAR aus der Region Altmark spielen sich durch die Jugendzentren Deutschlands, sind gerade im Studio um ihren ersten Longplayer aufzunehmen, blieben von der VICE - die ansonsten so ziemlich jede Band durch den Dreck zieht - verschont und konnten ihre Single "Mariokart vs. Kettcar" auf der Visions CD-Beilage platzieren. Höchste Zeit dem Quartett ein paar Fragen zu stellen.
Wer ist Adolar und seit wann macht ihr zusammen Musik?
Tom: Eigentlich ist Adolar der Name einer ungarischen Zeichentrickfigur, die wir mögen. Die Band haben wir im Januar 2008 gegründet, aber schon im Vorfeld - seit 2001 - hat der eine mit dem anderen hier und da im Norden Sachsen-Anhalts, wo wir aufgewachsen sind, mal rumprobiert.
Frank ist 22, spielt Schlagzeug. Jan ist 23, Gitarre. Micha ist 25, auch Gitarre, Sythesizer, Stimme. Ich singe, spiele Bass. Letzte Woche 23 geworden. Olé!
Die VICE verschont euch und andere renommierte Musikzines loben euch über den grünen Klee und bringen Vergleiche mit Bands a la Muff Potter oder Captain Planet an. Habt ihr mit dem Erfolg eurer „Planet Rapidia EP“ gerechnet?
Micha: Rechnen kann man nur mit Zahlen. Und die hätten auch schlecht ausfallen können, obwohl Zahlen nicht ausfallen.
Frank: Der Name der 7" ist in unserem Fall sehr programmatisch. Eigentlich wollten wir bloß Musik machen, ein paar Konzerte spielen und natürlich auch etwas aufnehmen.
Tom: Ja, es sollte ja ursprünglich nur ne Demo-CD werden.
Frank: Und dann gabs den Kontakt mit Unterm Durchschnitt und ein paar glückliche Zufälle, die Platte kam raus, es hat vielen Leuten gefallen und wir waren sehr überrascht.
Wie man eurer Homepage entnehmen kann wart ihr im Studio um einen Longplayer aufzunehmen. Was ist zu erwarten? Knüpft das Werk an die EP an oder doch ein Stilwechsel? Gibt es schon Pläne zur Veröffentlichung: Releasedate, Label?
Micha: Meiner Meinung nach ist das Album zunächst einmal noch ein bisschen abwechslungsreicher als die EP.
Frank: Ein bisschen experimenteller, ziemlich sportlich und gleichzeitig auch wieder poppig.
Tom: Mir kommt es irgendwie etwas düsterer und kräftiger vor, aber insgesamt knüpft es eigentlich ganz logisch an die "Planet Rapidia EP" an. Wir hatten so viele Ideen und wollten den Kram unbedingt noch in diesem Sommer aufnehmen.
Micha: Die ganzen Semesterferien lang konzentrierten wir uns bei Aldi-Bier und Keksen aufs Songwriting...
Tom: ...während sich unsere Freunde auf der Skaterbahn bräunten!
Micha: Die VÖ ist für Januar oder Februar 2010 geplant. Label auf jeden Fall wieder Unterm Durchschnitt!
„Wenn Pop nicht in erster Linie das Ziel verfolgt, auf Teufel komm raus an die Spitze der Charts zu stürmen, dann klingt er wie „Planet Rapidia“ von Adolar.“ Wie wurdet ihr musikalisch sozialisiert? Und wie würdet ihr selbst euren Musikstil beschreiben?
Frank: Die Musikalische Sozialisation ist bei uns tatsächlich sehr unterschiedlich verlaufen...Pop, Hardcore, Hip Hop, Punk und Fernsehliteratur ...
Tom: Da kommt schon einiges zusammen. Streckenweise Musikunterricht, Chaostage-Sampler, Familienfeiern, Jugendclubs, Anti-Nazi-Veranstaltungen, Gartenparties, Skaterbahn, Soli-Konzerte, Bandwettbewerbe, blabla... Wegen Rasta Knast, Pink Floyd, NoFx, R.E.M., Blink-182 und Tocotronic habe ich mir zum 13.Geburtstag eine E-Gitarre gewünscht, obwohl ich noch gar nicht spielen konnte. Frank habe ich in der 7.Klasse getroffen. Der hat damals meistens Bob Marley, Rage Against The Machine, Korn oder Wu-Tang Clan gehört und wir hatten kurzzeitig eine Schulband am Gymnasium in Stendal. Jan stand zu der Zeit auf Ärzte, Four Hundred Years, Foo Fighters und Refused. Ihn und Micha haben wir aber später erst kennen gelernt, weil die beiden in Salzwedel zur Schule gingen.
Micha: Ich persönlich wurde zunächst vom Klang einer klassischen Gitarre in einer Schul-Aula geplättet und hatte damit die Erleuchtung. Ich übte zu Hause, um ebenfalls so spielen zu können und wurde nach 3 Jahren Üben durch einen Schulfreund an das Band-Dasein herangeführt. So wurde ich infiziert und denke seitdem kaum oder besser gesagt noch nie in Genres. Entweder etwas klingt gut oder nicht. So würde ich unsere Musik als such-es-dir-aus oder unbewusster Baukasten-Core beschreiben.
In einem Interview habt ihr darüber berichtet, wie eure Touren zu Stande gekommen sind. Was bedeutet in diesem Zusammenhang DIY für euch?
Frank: Stinkende Schlafsäcke und zu wenig Socken im Koffer!
Tom: In jeder Stadt gibt es ein paar Leute, die ohne Profitgier Auftritte organisieren. Leute, mit denen man sich austauscht, von denen man auf Tour einen Happen zu Essen bekommt, mit denen man zusammen Flyer bastelt oder einfach nur feiert - und darauf baut bei kleineren Bands, wie Adolar eine ist, alles auf. Dadurch können so kleine Bands wie wir auf Tour gehen, etwas von der Welt sehen. Man erlebt viele lustige Blind-Dates. Manchmal gerät man aber auch an Idioten, die einen dann den ganzen Abend lang einfach nur böse angucken, weil man zum Beispiel irgendeine ihrer geliebten Crustcore-Bands zu eintönig findet. Selbstorganisation fetzt! Wir hätten andererseits aber auch keine Angst vor professionell organisierten Konzerten. Wenn es zum Beispiel um Konzertanfragen bei Festivals oder Open Airs geht, wünsche ich mir hin und wieder schon mal insgeheim einen richtigen Booker an meine Seite, weil die meisten Veranstalter von Festivals kleinere, unabhängige Bands halt wie Ungeziefer behandeln und auf ekelhafte Art und Weise für dumm verkaufen.
Nein Nein Nein haben ihre erste LP mit „Deine Szene ist ein Zombie“ betitelt. Was bedeutet Szene für euch?
Tom: Mir fällt gerade auf, dass ich das Wort "Szene" so gut wie nie in den Mund nehme. Das Wort nervt mich. Wir hängen total gerne in besetzten Häusern und autonomen Jugendzentren rum. Sie sind super, aber wer weiß, in wie weit sich ihre Leute im Einzelnen selber einer Szene zugehörig fühlen. Einige Szene-Leute nerven mich mit ihrem irgendwie gleichgeschalteten Einheitsgelaber. Oder ging es jetzt eher so um lokale Bandszene? Ich glaube, wir haben kein wirkliches "Zuhause".
Frank: Ohne Szene kann man schlecht sprechen, du kannst dich schwer von ihr lossagen, wenn ein Großteil deiner Zuschauer und Hörer ein Teil von ihr ist. Einige Szene-Leute machen vieles möglich. Jedoch gibt es auch jene, die sich dogmatisch nach einem selbst auferlegten Kodex verhalten, um manchmal sich, meistens jedoch andern zu genügen.
„Emo“ ist ja mittlerweile als Schimpfwort verschrien. Euer Musikstil wird jedoch oft als „Emo“ betitelt – wie geht ihr damit um und wie sieht eure Begriffsdefinition aus?
Tom: Wer möchte, kann uns gerne als "Emo" bezeichnen. Mich stört das nicht. Ist mir eigentlich egal. Auch dieses ganze "Was war Emo in den Neunzigern und was ist Emo heute?" wurde schon tausendmal besprochen. Die einen sind "REAL" und waren es schon immer, die anderen färben sich ihren Seitenscheitel schön bunt.
Frank: Musik ist in den meisten Fällen emotional, daher ist Emo ein sehr irreführender Begriff... auf jeden Fall ist unsere Musik melancholisch genug um von vielen Menschen als Emo bezeichnet zu werden.
Micha: Aber eigentlich ist Emo viel weinerlicher als unsere Musik! Außerdem kennt der stiltypische Emo keine erweiterten Harmonien und sieht nicht nur die Musik als solches, sondern auch den damit verbunden Lebensstil. Uns ist dieser jedoch egal, denn wenn wir zusammen sind, heulen wir nicht, sondern verarbeiten. Und das passiert eben vielschichtiger und mit ein bisschen mehr Humor und Augenzwinkern. Humor hilft beim Nicht-Fertig-werden-mit-dem-Erwachsen-Sein.
Drei Wünsche für Adolar?
Frank: Kein Plan.
Tom: Irgendwann mal mit Frank, Micha und Jan in der gleichen Stadt wohnen und dort auch einen Proberaum haben...
Micha: Sich nicht platt machen lassen vom Alltagsscheiß oder so. Noch mehr unterwegs sein, noch mehr Konzerte im Ausland - Sonne!
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